Großstadtgeflüster

Zunächst also ein paar Fakten… Grossstadtgeflüster ist ein Band. 12 Jahre Bandgeschichte, viele hundert Konzerte, jedes Festival kaputt gespielt, und Jen, Raphael und Chriz können sich immer noch ganz gut leiden. Geliebt für schweißgeladene Shows mit erstaunlich viel Gepoge im Publikum, vor allem wenn man bedenkt dass sich gerade keine einzige Gitarre auf der Bühne befindet.
Die Frau am Mikrofon und die Männer spielen Instrumente… Irgendjemand muss Klischees ja auch bedienen damit sie sich durchsetzen.

Der Sound von GSGF ist elektronisch, wüst und macht Laune. Er knallt durch Sicherungen und Boxen, er ist anstrengend und jederzeit bereit für einen Abstecher nach irgendwo, Hauptsache dahin, wo man noch nicht war…
Thematisch stehen die drei Berliner mit einem Bein in Utopia und mit dem anderen auf dem sinkenden Schiff. Sie sind leidenschaftliche Verweigerer.
Sie sind auf weißen Kaninchen reitende Eskapisten, immer auf der Suche nach neuen und besseren Ufern. Man kann GSGF nicht vorwerfen, es sich leicht zu machen.
Haben sie es doch bislang auf jedem ihrer 4 Alben geschafft, mit einer fast suizidalen Sturheit jede ihrer potenziellen Zielgruppen auf diese oder jene Weise vor den Kopf zu stoßen.

Sie hätten nach dem Hit "Ich muss garnix" eine simple Minimal-Punk-Parolen-Platte machen können und wären damit evtl. in die Geschichte prominenter Mittelfingerbands eingegangen. Hamse aber nicht.
Sie hätten, bei ihrer offensichtlich vorhanden Vorliebe für allgemeingültige Ohrwürmer, einfach ihren Willen nach Stilbrüchen und Krawall unterdrücken müssen und hätten es wahrscheinlich bis ins Küchendudelradio zur Bügel-Primetime gebracht. Hamse aber nicht.
Und sie hätten bei dem philosophischen Gehalt einiger Texte vielleicht ihren Hang zum Kindisch-Sein unterdrücken sollen. Der gemeine Feuilletonist ist mit inbrünstig
vorgetragenen Niveau-Limbo Zeilen wie "Ene mene gute Fee, piss mein Namen in den Schnee!" dann doch etwas über- oder besser unterfordert. Oder doch überfordert?